Wahre, hässliche Geschichten von Web-Agenturen

Brauche ich eine Web-Agentur?

Wir werben unter anderem damit, dass man keine teure Web-Agentur mehr braucht, wenn man bei uns einen WordPress-Kurs besucht. Das kommt nicht bei allen gleich gut an. Ist unsere Aussage übertrieben oder sogar falsch? Ist eine selbst gebaute Website unprofessionell?

Keine teure Agentur, keine langen Wartezeiten. Nach 2 Tagen Kurs kannst du deine Website selber bauen —…

Geplaatst door Walter lernt op maandag 15 mei 2017

Soll ich zu einer Agentur — oder soll ich es selber lernen?

Agenturen denken, es gibt keinen Weg an der Agentur vorbei… Stimmt das? Taugen Agenturen wirklich etwas?

Beispiel: Ein Kommentar zu unserer Facebook-Werbung:

Wir bekommen immer wieder Kommentare, darunter natürlich auch negative — was total in Ordnung ist.

Diesmal haben wir aber viele konstruktiven Fragen zu einem unserer Werbeposts in Facebook erhalten — als Kommentar auf Facebook:

Lernt Walter in den zwei Tagen denn auch Typografie? Grafik? Bildbearbeitung? Letzteres wohl eher nicht, wenn man die ungeschickte Montage im Beitragsbild anschaut. Lernt Walter denn auch die Geschichte des Schönen und die Geschichte des Hässlichen? Lernt Walter Umberto Eco selig kennen und seine Grundlagen der Semiotik? Und Farbenlehre, lernt das Walter? Wie steht’s um Design-Grundlagen, studiert Walter Josef Müller-Brockmann, Emil Ruder, die Basler Schule, Pentagram, Tomato, David Carson? Vielleicht brauchen Agenturen länger, weil sie einfach besser sind als Walter und seine Hobbyisten. Und vielleicht sind Agenturen einfach deshalb auch teurer. Was Walterchen nicht lernt, lernt Walter nimmer mehr.

(Das sind viele Namen.)

Analysieren wir…

Hinweis: Die zitierten Kommentare sind eine Reaktion auf Werbung für unseren WordPress-Starterkurs — nicht unsere Grafikkurse.

Typografie? Grafik? Bildbearbeitung?

Lernt Walter in den zwei Tagen denn auch Typografie? Grafik? Bildbearbeitung?

Die Antwort lautet “Nein”. In zwei Tagen lernt man ein Thema wie Typografie nicht. Das wissen wir auch und machen auch kein Geheimnis daraus. Wer schon an einem meiner Kurse teilnahm, der/die weiss wie viel Respekt ich vor der Typografie habe. Grafik und Bildbearbeitung lernt man ebenfalls nicht in zwei Tagen.

Ja, wir haben Kurse zu diesen Themen — geleitet von einer Kursleiterin, die an Hochschulen Design unterrichtet, die eigene Agenturen gegründet und zum Erfolg geführt hat und Kunden wie ABB, BMW, SBB und andere Abkürzungen mit 3 Buchstaben als Referenzen vorweisen kann.

Nein, man lernt nicht alles in 2 Tagen.

Letzteres wohl eher nicht, wenn man die ungeschickte Montage im Beitragsbild anschaut.

Einverstanden, das Beitragsbild unserer Werbung ist kein Kunstwerk — wie auch dieser Teil des Kommentars keins ist. Schaut euch das Original an und lacht mit! Ich war das (die Grafik, nicht der Kommentar). Und je länger ich das sehe, umso schlimmer finde ich es auch.

Die Geschichte des Schönen und die Geschichte des Hässlichen

Lernt Walter denn auch die Geschichte des Schönen und die Geschichte des Hässlichen? Lernt Walter Umberto Eco selig kennen und seine Grundlagen der Semiotik? Und Farbenlehre, lernt das Walter? Wie steht’s um Design-Grundlagen, studiert Walter Josef Müller-Brockmann, Emil Ruder, die Basler Schule, Pentagram, Tomato, David Carson?

Viele Teilnehmer sind bereits im grafischen Bereich ausgebildet: Bei einem Grossteil der WordPress Starterkurse sind unter den Teilnehmern auch Grafiker/Polygrafen und Typographen/Schriftsetzer zu finden. Nicht selten von Agetenturen! 🙂

Aber: Nein, wenn unsere Kursteilnehmer eine Design-Ausbildung wollten oder sich über einflussreiche Künstler aus der Vergangenheit informieren wollten, würden sie anderswo hingehen.

Sie wollen in diesem Fall aber eine Website, die wirksam ist und sie unterstützt, ihre Firmenziele zu erreichen. Dafür kommen sie zu uns. Seit Jahren — übrigens, erfolgreich und zufrieden.

Warum ist dieser Kommentar so Grafik-lastig? Niemand sagt das Grafische sei unwichtig, es ist aber nur ein Teil von vielen.

Walter und seine Hobbyisten

Vielleicht brauchen Agenturen länger, weil sie einfach besser sind als Walter und seine Hobbyisten.

Braucht man länger, wenn man besser ist? Wer wird wohl angesprochen mit “Walter und seine Hobbyisten”? Ein Hobby ist eine Freizeitbeschäftigung.

  • Sind damit die Kursteilnehmer gemeint? Die meisten sind aus beruflichen Gründen hier. Sie bilden sich weiter, um die Interessen der Firma zu fördern. Hat wenig mit einem Hobby zu tun.
  • Sind die Kursleiter gemeint? Jeder einzelne Kursleiter, jede einzelne Kursleiterin hat die eigene Firma. Alle haben Ausbildungen und berufliche Erfahrung in ihrem Fachgebiet, wie auch im Unterrichten. Das Wort “Hobby” passt hier also irgendwie auch nicht.

Der Grund warum Agenturen teurer sind:

Und vielleicht sind Agenturen einfach deshalb auch teurer.

Das verstehe ich nicht. Weshalb schon wieder? Weil wir im WordPress Starterkurs nicht Kunstgeschichte behandeln?

Damit endet der Kommentar:

Was Walterchen nicht lernt, lernt Walter nimmer mehr.

Ok, das wusste ich nicht.

Aber genug zu diesem Kommentar. Der half hoffentlich beim Aufwärmen. Zurück zur Frage, ob man bei einer Agentur gut aufgehoben wäre…

Ich habe nichts gegen Agenturen

Mal vorneweg: Ich arbeite oft sehr eng mit Agenturen zusammen: Ich bilde die Agentur-Mitarbeiter aus und weiter, gebe In-House Coachings bei ihnen vor Ort. Auch Schulungen für die Kunden eben dieser Agenturen sind keine Seltenheit. Hin und wieder übernehme ich Arbeiten für Agenturen, wenn das interne Know-How oder die Ressourcen fehlen.

Es gibt viele kompetente Agenturen mit super-netten Mitarbeitern. Und es gibt auch andere. Ich empfehle nicht, Agenturen grundsätzlich zu vermeiden. Ich höre und verstehe frustrierte Kunden von den weniger guten Agenturen. Und, ich biete eine Antwort an, für diejenigen, die ihre Website selber in die Hand nehmen möchten. Hören wir uns ein paar Storys an…

(Wahre) Geschichten des Hässlichen

Warum versuchen viele Menschen Web-, Grafik- und Marketing-Agenturen zu vermeiden? Hier ein paar Storys aus dem echten Leben (hast du auch eine Story? Teile sie mit uns!):

350 Mal zu teuer

Gerade gestern hat ein Kunde bei einer In-House-Schulung (in seiner Agentur) mir davon erzählt, wie ein Video-Profi seiner Firma CHF 25’000 für einen Effekt verrechnet hat. Dieser Effekt kann in Sekunden mit einem 70-fränkigen Plugin in FinalCut implementiert werden — und wurde übrigens auch genau so implementiert.

Zu spät. Man fand es erst heraus, als die Rechnung schon beglichen war.

108’000 Franken für ein 39-Dollar WordPress Theme

Eine Kursteilnehmerin hat, im Auftrag eines Schweizer Kantons, CHF 108’000 für eine Website bezahlt. Sie fand das teuer für was sie bekam und besuchte meinen WordPress-Kurs, um heraus zu finden, ob sie betrogen wurde.

Zufällig habe ich ein WordPress-Theme gezeigt, das damals für USD 39 zu haben war. Die Website, die über 100 Tausend Franken kostete, war genau das gezeigte Theme und vorhandene Texte mit Copy/Paste eingefügt.

Tja, Kantone bezahlen einfach schön brav alle Rechnungen bis der Stapel nicht mehr da ist.

Eine Agentur programmiert CMS für hohen 6-stelligen Betrag

Nach genauer Analyse haben wir festgestellt, dass die massgeschneiderte Software-Lösung mit dem stolzen Preis nicht eine einzige Funktion hat, die nicht mit WordPress lösbar wäre.

Solche Szenarien habe ich auch schon mehrfach erlebt. In allen Fällen ist das Resultat allerdings das gleiche — leider: Man ändert nichts und buttert weiter Kohle in das Projekt mit der Begründung “Wir haben schon so viel investiert.”.

9-Franken-Hosting für 200 Franken illegal weiter vermietet

Ein Kunde von mir hat seiner damaligen Agentur CHF 200 pro Monat für das Webhosting bezahlt. Er wusste einfach nicht, dass das zu viel ist für eine einfache Website mit wenig Besuchern.

Es handelte sich um Shared Hosting, das CHF 9 pro Monat kostete und für CHF 200 weitervermietet wurde (und das noch gegen die AGB der Hostingfirma).

Eine Kundin durfte ihr eigenes Logo nicht behalten

Eine Kundin von mir wollte von ihrer Web- und Grafikagentur weg, weil die Zusammenarbeit miserabel war und das Vertrauen komplett verloren. Die Agentur hatte vor Jahren auch das Branding inkl. Logo gestaltet und im Vertrag festgehalten, dass sie das Logo nicht “mitnehmen” darf, wenn sie sich von der Agentur trennen würde. Er hat auch darauf beharrt, als es soweit war…

Ciao Logo, ciao Branding.

Admin-Zugang bleibt in der Agentur

Ich kann nicht mal annähernd schätzen, wie oft ich diese Situation schon hatte: Jemand kommt zu Walter lernt und beschwert sich über ihren Webdesigner, ihre Agentur. Was sich dann heraus stellt ist, dass die Agentur nicht bereit ist, das Admin-Login für die Website heraus zu geben.

Tipp an alle, die für andere Websites bauen (Z. B. Agenturen): Gebt den Kunden auch ein Admin-Konto, ermutigt sie aber, als Redakteur (Benutzerstufe in WordPress) zu arbeiten. “Kundenbindung” geht auch eleganter, als das Login für sich zu behalten.

Print-Agenturen, die so tun als wären sie Web-Agenturen

Auch ein häufiger Fall. Fast schon Normalfall: Eine Web-Agentur hat Fachwissen und Erfahrung im Print-Bereich. Grafik, Typografie und viel mehr — aber alles auf Gedrucktes ausgerichtet. (Auch manchmal liebevoll CMYK-Agenturen genannt.)

Plötzlich fragen die Kunden nach Websites und prompt wird das Angebot angepasst: Wir bieten auch das Erstellen von Websites an.

Ja, sie haben als Agentur vielleicht 30 Jahre Erfahrung und tolle Referenzen — aber in einer komplett anderen Disziplin!

Der Print-Bereich ähnelt dem Web etwa so stark, wie die Dentalhygiene der Fussreflexzonene-Massage. Wenn Print-Agenturen Websites bauen, dann bekommen wir ästhetisch ansprechende One-Pager mit Slidern.

 

Wann soll man zu einer Agentur?

Meine Empfehlungen lauten:

  • Das Daily Business in der eigenen Hand haben
  • Agenturen vor allem für deren Fachkompetenz einsetzen
  • Nie an eine Agentur binden: Eine Trennung muss jederzeit schnell und einfach möglich sein
  • Geld langfristig investieren: Zum Beispiel für Erlernen von Fähigkeiten, hohe Qualität, …

Wir brauchen keine Agentur für das Hochladen von Bildern und das Ändern von Texten. Wir brauchen aber Web-Agenturen und -Spezialisten für Beratung, Strategie und grafische Arbeiten. Wenn wir die entsprechenden Kenntnisse (noch) nicht intern haben, dann können gute Agenturen in vielen Bereichen helfen: Fotografen, Content Strategen, UX-Designer, Accessibility-Profis, SEOs, Grafiker, Texter/Copywriter, Social Media Berater, Audio- und Video-Produzenten, …

In einer idealen Welt beauftragen wir die Top-Experten für jede einzelne Disziplin. Wir leben aber in der realen Welt. Zeit und Geld sind limitiert. Wir müssen das goldene Gemisch finden: Was machen wir selbst, was macht ein externer Spezialist für uns?

Ideal sind Experten, die dafür Verständnis haben und sich um unsere wahre Situation kümmern, statt einfach ihrer Tätigkeit als die einzig wichtige zu verkaufen und alles andere kritisieren.

Was ist jetzt mit den WordPress-Kursen? Gut oder nicht?

WordPress ist ein Werkzeug, das man nutzen kann, um Websites zu bauen. Damit kann man gute oder schlechte Websites bauen, genau wie man mit einer guten Kamera gute und schlechte Fotos machen kann. Oder mit einer guten Pfanne… ihr wisst schon.

Unser WordPress-Kurs wird WordPress Starter genannt. Starter, weil es eine Starthilfe ist. Es ist kein Super-Medikament, das alles flickt. WordPress ist lediglich für die meisten die beste Wahl als Website-Tool (Stand 2017) und unsere WordPress-Kurse zeigen, wie man das Werkzeug nutzt — auf eine Art, die fast alle der vielen bisherigen Teilnehmern Freude und Erfolg bereitet hat.

Andere Kurse von uns und von anderen Anbietern helfen, mit der eigenen Website und anderen Medien mehr Wirkung zu erzielen.

Taxis in London: Black Cab oder UBER?

Es ist bekannt, dass Taxi-Fahrer in London eine sehr anspruchsvolle Ausbildung haben. Das Resultat: Sie kennen jedes Gässchen. jede Kurve, jede Kreuzung. Sie brauchen kein Navigationssystem — kosten aber auch mehr als die Alternativen.

Etwas kritischer formuliert: Wir bezahlen ein Vielfaches dafür, dass unser Fahrer moderne, verfügbare Technik nicht einsetzen muss. Ein UBER-Fahrer ist viel einfacher zu bestellen, würde das gleiche Ziel in der gleichen Zeit finden. Gleich bequem. Ist aber viel günstiger.

Macht das Sinn? Nicht jeder denkt gleich. (Und ja, ich finde UBER auch nicht eine tolle Firma.)

Auch wenn das etwas überspitzt ist, es lässt sich in andere Branchen übertragen.

Wir sind auch eine Web-Agentur

Wir haben Profis unter anderem aus diesen Gebieten im Team:

Wir sind also auch eine Web-Agentur.

Arto Steiner

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